Meine Clownin springt mutig ins Kabarett

Es gibt Tage, die fühlen sich an wie eine Premiere – selbst dann, wenn man längst bühnen­erprobt ist.
Ich stehe seit Jahren auf der Bühne. Als Clownin und als Puppenspielerin. Mit Figuren, hinter denen ich mich auch ein wenig verstecken, durch die ich sprechen, mit denen ich spielen konnte.

Doch dieser Tag ist anders.

Heute betrete ich die Bühne als Kabarettistin. Im Rahmen des Festivals „Die Kabarett“. Ohne rote Nase. Ohne Puppe. Nur mit meiner bewährten Figur – und meinen Pointen. Ein Schritt, der sich gleichzeitig vertraut und vollkommen neu anfühlt.

8:30 Uhr – Der Tag beginnt

Ich wache eine halbe Stunde vor dem Wecker auf. Eigentlich wollte ich ausschlafen, um am Abend richtig fit zu sein. Aber mein Körper entscheidet anders.

Die Nervosität ist da. Zuverlässig wie immer. Ein Ziehen im Bauch. Ein nervöses Rumoren. Mein Darm beschließt vorsorglich, ebenfalls mitzuspielen. Premiere auf allen Ebenen.

Und dazu diese Gedanken.

Bin ich genug? Ist mein Programm wirklich lustig? Kann ich mit den anderen mithalten?

Als Clownin kenne ich Selbstzweifel. Aber heute sitzen sie tiefer. Heute stelle ich mir eine neue Frage: Bin ich wirklich eine Kabarettistin?

9:30 Uhr – Frühstück als Anker

Eine große Tasse Tee. Toast mit Schinken. Ein weiches Ei. Eine Routine gegen das innere Beben.

Ich kaue gewissenhaft und versuche, Ruhe zu simulieren. Mein Magen ist skeptisch. Mein Kopf spielt Szenarien durch: vergessene Requisiten, fehlende Kostümteile, das eine entscheidende Detail, das ich dringend brauche und bestimmt zu Hause liegen gelassen habe.

10:30 Uhr – Meine Siebensachen zusammenpacken

Ich kontrolliere alles. Zweimal. Vielleicht sogar dreimal.

Koffer in verschiedenen Größen. Sessel. Dirndl mit Schürze. Weiße Trachtenbluse. Kniestrümpfe. Die Hose meines extra angefertigten Bikinis als Unterhose. Schuhe. Rote Brille. Fliegerhaube. Schlüssel. Brief. Ukulele. Kazoo. Schminke, Haarspray, Trockenshampoo.

Mit dem Kostüm schlüpfe ich in meine Figur. Normalerweise in meine Clownfigur. Heute ist sie aber eine Spur weniger naiv. Eine Kunstfigur, ähnlich wie bei Ulrich Michael Heissig alias Irmgard Knef. Bei mir ist Hanni Ahorn eine Rolle, die viel von mir trägt und doch nicht ganz mir entspricht.

Die rote Nase fehlt.
Und genau das erzeugt Unsicherheit.

12:30 Uhr – Mittagessen mit Rainer

Es gibt Reste vom Vortag. Die Stimmung ist ruhig. Rainer strahlt eine Gelassenheit aus, die ich bewundere.

„Bist du nervös?“, frage ich.

„Eher nein. Und jetzt noch gar nicht.“

Ich staune. In mir ist ein Wechselbad aus Selbstzweifel und dem unbedingten Wunsch, auf diese Bühne zu gehen. Trotz allem.

13:30 Uhr – Fahrt Richtung Salzburg

Wir fahren los. Rainer spricht wenig. Ich auch.
Im Hintergrund läuft eine Sendung mit Gayle Tufts – Interview und Programmausschnitte.

Ich vergleiche. Zweifle. Bewundere.

Dann wieder: Genau das will ich.

Der Blick auf den Mondsee beruhigt mich. Wasser hat eine besondere Wirkung auf mich. Egal ob See oder Meer. Es relativiert, es trägt und es bringt Frieden.

15:30 Uhr – Ankunft

Wir kommen gut an. Das Zimmer im Berglandhotel wirkt freundlich, fast ein wenig wie eine Zwischenwelt. Nicht Zuhause, aber auch nicht fremd.

Vor allem ist es eines: ein Rückzugsort.

Das Wissen, nach dem Auftritt nicht mitten in der Nacht heimfahren zu müssen, beruhigt mich ungemein. Hier darf ich später landen. Egal wie der Abend wird.

Lange bleiben wir nicht. Das Hotel ist Zuflucht, aber jetzt ruft die Bühne.

Eingang Kleines Theater Salzburg

16:00 Uhr – Das Kleine Theater

Das Kleine Theater liegt in einem Gewölbekeller. Schon beim Eintreten gefällt es mir. Es ist klein, überschaubar, intim. Kein anonymer Saal, sondern ein Raum mit Atmosphäre.

Ich kenne die Bühne noch nicht. Und genau das macht es besonders. Ein neues Terrain. Kein vertrautes Parkett. Und trotzdem oder gerade deswegen freue ich mich darauf.

16:30 Uhr – Soundcheck

Ich bekomme ein Headset vom Theater. Offenbar ist es den Technikern lieber, auf ihr eigenes Equipment zurückzugreifen. Ich nehme das Angebot an, Vertrauen gegen Kontrolle einzutauschen.

Lukas und Heinke kümmern sich aufmerksam um uns.
Das Mikro klingt anfangs etwas blechern. Dann wird nachjustiert. Der Klang wird rund. Auch die Einstellungen für Rainer werden durchgeführt und Gesang und Musik aufeinander abgestimmt. Alles passt.

Wir treffen Katharina vom Theater. Wir haben im Vorfeld viel miteinander geschrieben. Sie hat alles Organisatorische übernommen. Ich fühle mich gut aufgehoben.

Auch meine Kollegin für den Abend ist jetzt da. Zwei Kabarettistinnen teilen sich das Programm. Wir vereinbaren, dass sie beginnt und ich den zweiten Teil übernehme.

19:00 Uhr – Kamera und Wiedersehen

Ein lokaler Fernsehsender ist ebenfalls zur Stelle. FS1. Ich muss schmunzeln. Der Name erinnert mich an meine Kindheit, als ORF1 noch so hieß. Plötzlich wird mir wieder bewusst: Der Abend wird gefilmt und das hier ist nicht nur ein Auftritt. Es ist Material, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, um neue Türen öffnen zu lassen.

Zwischen Gespräch und Vorbereitung treffe ich meine Freundin Christa wieder. Viele Jahre sind vergangen, aber die Vertrautheit ist geblieben. Wir fallen uns in die Arme. Eine Umarmung, die gut tut.

19:30 Uhr – Der Abend beginnt

Eva D. eröffnet den Abend. Rainer und ich sitzen im Publikum und schauen gespannt zu. Ihr Programm ist eine Mischung aus Lesung, Gesang und freien Übergängen. Das Publikum reagiert eher zurückhaltend. Und ich? Ich vergleiche. Unweigerlich. Bin ich lustiger? Anders? Genug? Kann ich mithalten? Gleichzeitig bin ich erleichtert. Unsere Programme sind sehr unterschiedlich. Die Reihenfolge fühlt sich richtig an. Und doch steigt die Nervosität wieder.

20:30 Uhr – Pause und Endspurt

Schnell ins Kostüm.
Noch einmal zur Toilette.
Headset positionieren.
Schminken. Ein Schluck Wasser. Ein paar Stimmübungen.

Das Telefon in der Garderobe läutet.
Der Techniker: „Seid ihr bereit?“

Es gibt kein zurück mehr.
Es geht los.

20:50 Uhr – Ein Neubeginn

Rainer betritt zuerst die Bühne. Mit seiner Gitarre richtet er sich ein, stimmt sein Instrument noch einmal, schafft Aufmerksamkeit. Ich liebe diesen Moment. Er bereitet mir den Raum vor.

Dann komme ich.

Mit meinen vielen Koffern. Im Dirndl.
Noch bevor ich etwas sage, höre ich die ersten Lacher.

Und plötzlich ist sie weg.
Die Nervosität.

Ich stehe da und genieße es.

„Hallo! Guten Abend! Hanni. Hanni Ahorn. Ich wäre jetzt da!“

Schon beim ersten Satz merke ich: Das Publikum ist bei mir.

Der Headset-Sender beschließt allerdings, ein Eigenleben zu führen. Die Antenne verhängt sich in meiner Bluse, später löst sich das Gerät von der Schürze und baumelt an mir herum. Vielleicht hätte ich doch mein eigenes verwenden sollen.

Früher hätte mich das verunsichert. Heute spiele ich damit.

Ich improvisiere, ich kommentiere. „Probleme sind Geschenke“ hat mich der Clown gelehrt. Und ich werde mit zusätzlichen Lachern beschenkt.

Zwischendurch nehme ich naiv Bezug auf das Programm davor und auch das kommt gut an.
Beim letzten Lied habe ich einen Texthänger. Ich sage es einfach. Ehrlich.

Und ich habe das Gefühl: Genau das macht es menschlich und sympathisch.

Was mich immer wieder überrascht: Das Publikum lacht an anderen Stellen als bei früheren Aufführungen. Diesmal oft schon beim Beginn der Lieder, wenn die Zuschauer*innen erkennen, welchen Schlager ich ausgewählt habe und wie er die Geschichte rund werden lässt.

Vor der Vorstellung hatte ich Angst, dass mir die rote Nase fehlen würde. Dass ich ohne sie nicht lustig bin.

Jetzt spüre ich etwas anderes: eine neue Freiheit. Ich darf naiv sein. Aber ich muss nicht.

21:40 Uhr – Geschafft

Applaus.

Ich bin glücklich, erleichtert und auch ein wenig euphorisch.
Das Publikum hat viel gelacht.

Und ich spüre etwas Paradoxes: Ich bin angekommen und gleichzeitig stehe ich am Anfang. Ich bin neugierig, was die Zukunft bringt.

22:30 Uhr – Umtrunk und erstes Autogramm

Ein paar Menschen kommen und gratulieren. Eine junge Frau bittet um ein Autogramm. Mein erstes. Eine Zuschauerin erzählt, wie sehr sie diese alten Schlager liebt und sie mit ihren Enkeln singt. Genau dafür mache ich das.

Nach einem kleinen Umtrunk mit Christa kehren wir mit dem Gefühl ins Hotel zurück, dass sich eine neue Tür geöffnet hat. Ich hoffe, mein neues Programm noch viele Male spielen zu dürfen und Menschen zum Lachen zu bringen. Nicht mehr nur als Clownin. Sondern zusätzlich als Kabarettistin – mit dem Clown im Herzen.

Du bist neugierig geworden?

Wenn du überlegst, ob ein Auftritt bei euch passen könnte, schreib mir gern ganz unverbindlich.
Auch wenn du dir noch nicht sicher bist oder erst grob planst, kannst du dich melden – wir schauen dann gemeinsam, was möglich ist und was gut zu dir und deiner Veranstaltung passt.

Ich freue mich auf deine Anfrage und darauf, vielleicht bald auch bei dir und deinem Publikum für einen humorvollen Abend zu sorgen.

Sabine Falk

Clownin, Kabarettistin, Puppenspielerin, Künstlerin, Dipl. Ganzheitliche Kunsttherapeutin

Humor, Fantasie und berührende Begegnungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Sabine Falks Arbeit: Als Begegnungsclown schenkt sie Nähe und Leichtigkeit in besonderen Momenten. Auf der Bühne überrascht sie als Bühnenclown und Kabarettistin mit poetischem Humor, während im Figurentheater Puppen, Märchen und Träume lebendig werden.

Wer tiefer eintauchen möchte, findet im Newsletter-Magazin bunte Geschichten, Impulse und Termine.

1 Kommentar

  1. Danke liebe Sabine, dass Du mich mitgenommen hast, auf eine Tour durch diesen spannenden Tag.

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