Die Bienenkönigin – ein Märchen, das geblieben ist

Meine Figurentheaterstücke für Kinder basieren alle auf überlieferten Märchen. Ich selbst habe als Kind schon Märchen geliebt und daran hat sich bis heute nichts verändert.

Meine Eltern hatten damals beruflich viel zu tun, um uns ein gutes Leben bieten zu können. Mein treuer Begleiter und Erzähler war in dieser Zeit mein kleiner Plattenspieler in Form eines Marienkäfers. Er hat mir stundenlang Geschichten und Kinderlieder vorgespielt – und einige davon sind mir besonders ans Herz gewachsen.

Mein Freund, der Marienkäfer

Vielleicht ist es genau diese frühe Nähe zu Märchen, die meine Arbeit bis heute prägt.

So auch „Die Bienenkönigin“ der Gebrüder Grimm, die die Grundlage meines zweiten Figurentheaterstückes sein durfte. Berührt hat mich an diesem Märchen vor allem die Nähe des Dümmlings zu den Tieren: dass er sie schützt, ihnen achtsam begegnet und sie ihm im Gegenzug helfen. Diese stille Verbindung, dieses selbstverständliche Miteinander, hat mich fasziniert.

Oft fragen mich Zuschauer*innen, ob ich ihnen das Märchen zur Verfügung stellen kann, damit sie sich gemeinsam mit ihren Kindern auf den Theaterbesuch vorbereiten oder ihn später noch nachklingen lassen können. Diesem Wunsch komme ich hier sehr gerne nach.

Im Folgenden findest du das Märchen „Die Bienenkönigin“, zum Vorlesen, Wiederentdecken und Weiterträumen.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen und beim Eintauchen in meine besondere Märchenwelt.

Figurentheaterstück: Die Bienenkönigin

Die Bienenkönigin – Ein Märchen der Gebrüder Grimm (Nr. 62)

Zwei Königssöhne gingen einmal auf Abenteuer und gerieten in ein wildes, wüstes Leben, so dass sie gar nicht wieder nach Haus kamen. Der jüngste, welcher der Dummling hieß, machte sich auf und suchte seine Brüder. Aber wie er sie endlich fand, verspotteten sie ihn, dass er mit seiner Einfalt sich durch die Welt schlagen wollte, und sie zwei könnten nicht durchkommen und wären doch viel klüger.

Sie zogen alle drei miteinander fort und kamen an einen Ameisenhaufen. Die zwei ältesten wollten ihn aufwühlen und sehen, wie die kleinen Ameisen in der Angst herumkröchen und ihre Eier forttrügen, aber der Dummling sagte: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie stört!“

Da gingen sie weiter und kamen an einen See, auf dem schwammen viele, viele Enten. Die zwei Brüder wollten ein paar fangen und braten, aber der Dummling ließ es nicht zu und sprach: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie tötet!“

Endlich kamen sie an ein Bienennest, darin war so viel Honig, daß er am Stamm herunterlief. Die zwei wollten Feuer unter den Baum legen und die Bienen ersticken, damit sie den Honig wegnehmen könnten. Der Dummling hielt sie aber wieder ab und sprach: „Laßt die Tiere in Frieden, ich leid’s nicht, daß ihr sie verbrennt!“

Endlich kamen die drei Brüder in ein Schloß, wo in den Ställen lauter steinerne Pferde standen, auch war kein Mensch zu sehen, und sie gingen durch alle Ställe, bis sie vor eine Türe ganz am Ende kamen, davor hingen drei Schlösser; es war aber mitten in der Türe ein Lädlein, dadurch konnte man in die Stube sehen. Da sahen sie ein graues Männchen, das an einem Tisch saß. Sie riefen es an, einmal, zweimal, aber es hörte nicht. Endlich riefen sie zum drittenmal; da stand es auf, öffnete die Schlösser und kam heraus. Es sprach aber kein Wort, sondern führte sie zu einem reichbesetzten Tisch; und als sie gegessen und getrunken hatten, brachte es einen jeglichen in sein eigenes Schlafgemach.

Am andern Morgen kam das graue Männchen zu dem ältesten, winkte und leitete ihn zu einer steinernen Tafel, darauf standen drei Aufgaben geschrieben, wodurch das Schloß erlöst werden könnte. Die erste war: In dem Wald unter dem Moos lagen die Perlen der Königstochter, tausend an der Zahl; die mußten aufgesucht werden, und wenn vor Sonnenuntergang noch eine einzige fehlte, so ward der, welcher gesucht hatte, zu Stein. Der älteste ging hin und suchte den ganzen Tag, als aber der Tag zu Ende war, hatte er erst hundert gefunden; es geschah, wie auf der Tafel stand: Er ward in Stein verwandelt.

Am folgenden Tage unternahm der zweite Bruder das Abenteuer; es ging ihm aber nicht viel besser als dem ältesten, er fand nicht mehr als zweihundert Perlen und ward zu Stein. Endlich kam auch an den Dummling die Reihe, der suchte im Moos; es war aber so schwer, die Perlen zu finden, und ging so langsam. Da setzte er sich auf einen Stein und weinte. Und wie er so saß, kam der Ameisenkönig, dem er einmal das Leben erhalten hatte, mit fünftausend Ameisen, und es währte gar nicht lange, so hatten die kleinen Tiere die Perlen miteinander gefunden und auf einen Haufen getragen.

Die zweite Aufgabe aber war, den Schlüssel zu der Schlafkammer der Königstochter aus dem See zu holen. Wie der Dummling zum See kam, schwammen die Enten, die er einmal gerettet hatte, heran, tauchten unter und holten den Schlüssel aus der Tiefe.

Die dritte Aufgabe aber war die schwerste: Von den drei schlafenden Töchtern des Königs sollte die jüngste und die liebste herausgesucht werden. Sie glichen sich aber vollkommen und waren durch nichts verschieden, als daß sie, bevor sie eingeschlafen waren, verschiedene Süßigkeiten gegessen hatten, die älteste ein Stück Zucker, die zweite ein wenig Sirup, die jüngste einen Löffel Honig. Da kam die Bienenkonigin von den Bienen, die der Dummling vor dem Feuer geschützt hatte, und versuchte den Mund von allen dreien, zuletzt blieb sie auf dem Mund sitzen, der Honig gegessen hatte, und so erkannte der Königssohn die Rechte.

Da war der Zauber vorbei, alles war aus dem Schlaf erlöst, und wer von Stein war, erhielt seine menschliche Gestalt wieder. Und der Dummling vermählte sich mit der jüngsten und liebsten und ward König nach ihres Vaters Tod, seine zwei Bruder aber erhielten die beiden andern Schwestern.

Wenn dieses Märchen jetzt bei dir nachklingt und Lust auf mehr macht, freue ich mich, wenn du „Die Bienenkönigin“ auch als Figurentheaterstück erleben möchtest.

Das Stück kann für Kindergärten, Schulen, Bühnen und besondere Anlässe gebucht werden. Kontaktiere mich dazu gerne!

Oder du kennst vielleicht einen Ort oder Menschen, für den diese Geschichte genau jetzt richtig wäre – dann erzähl gern davon weiter.

Sabine Falk

Clownin, Kabarettistin, Puppenspielerin, Künstlerin, Dipl. Ganzheitliche Kunsttherapeutin

Humor, Fantasie und berührende Begegnungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Sabine Falks Arbeit: Als Begegnungsclown schenkt sie Nähe und Leichtigkeit in besonderen Momenten. Auf der Bühne überrascht sie als Bühnenclown und Kabarettistin mit poetischem Humor, während im Figurentheater Puppen, Märchen und Träume lebendig werden.

Wer tiefer eintauchen möchte, findet im Newsletter-Magazin bunte Geschichten, Impulse und Termine.

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